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Dienstag, 10.07.2007

Kein Wein fuer Mafiosi

Beitrag zur 1. Weinrallye mit dem Thema Inselwein. Als Station wählten wir ganz den Süden von Sizilien: einen Cerasuolo di Vittoria DOCG von Planeta aus dem Jahrgang 2004.

Wir erinnern uns: Finstere Maffiosi sitzen im kühlen, regnerischen sizilianischen Winter um eine Flasche Rotwein herum. Der Angstklos sitzt ihnen fest im Rachen. Denn der blonde Carabinieri-Comandante aus Parma ist ihnen auf den Fersen. Zwei Männer der Familie haben bereits gesungen, haben das Gesetz der Omertà gebrochen und allen geht an den Kragen, dem Parlamentarier in Rom gleich mit. Da sitzen sie nun und trinken einen Roten aus Vittoria. Das haben wir auch gemacht. Allerdings ohne Angstklos und im Sommer und das war auch gut so.

Denn unser Cerasuolo di Vittoria -- der einzige DOCG Siziliens -- schmeckt auch leicht gekühlt (14 bis 17 Grad) Er passt eher auf eine beschatte, sommerliche Terrasse einer hübschen Barockvilla mit Blick auf den Ätna. Beschaulich und genüsslich. Nun gut, Germering ist nicht Ragusa, in dessen Provinz das hübsche Stadtchen Vittoria liegt, geschmeckt hat uns der Wein trotzdem. Die DOCG-Regeln für Cerasuolo fordern 50 bis 70 Prozent Nero d’Avola und den Rest Frappato, eine autochthone nur hier im Süden von Sizilien verwendete Rebsorte. Das Weingut Planeta hat sich für 60 Prozent Nero entschieden. Cerasuolo wird oft für einen Rosé gehalten, da der Wein nur kurze Zeit mit den Traubenschalen Kontakt hat. Unser Wein ist jedoch entschieden dunkel, dabei klar, leuchtend und Kirschrot.

Der hohe Anteil Nero verleiht dem Wein eine deutliche Beerennote, so ausgeprägt, dass wir zuerst an eine Kohlensäure-Maischung dachten. Das hat sich im Datenblatt des Weins aber nicht bestätigt. Der Geruch ist intensiv, hervorgehoben die Himbeeren, ferner Kirschen, würzige Kräuter, leicht mineralisch, eine Spur von Rauch und ganz wichtig, kein bisschen Kitsch. Die Aromen sind klar und von dem echter Früchte nicht zu unterscheiden. Kein Gelee, kein Holz.

Im Geschmack finden sich die Beeren sofort wieder. Dabei ist der Wein knochentrocken mit einer frischen Säure. Ein echter Wein. Die leichte, bittere Note bringt -- wenn man will -- eine Spur Zartbitterschokolade hinein. Das Tanningerüst ist fest, fein und verleiht dem Cerasuolo einen runden Körper, der 13 Prozent Alkohol locker schluckt. Der Abgang ist lang, die Lagerfähigkeit eher kurz. Ein paar Jahre sind aber schon noch drin.

Gefallen hat uns, der sehr eigene und ansprechende Charakter des Weins, der auf modischen Schnickschnack völlig verzichtet. Die Beerennote habe ich heute nach fast vier Wochen noch deutlich auf der Zunge. Der Gambero Rosso belohnt ihn mit zwei von drei Gläsern. Mit 14 Euro ist er nicht ganz billig, aber für mein Empfinden den Preis Wert.

Den Mafiosi gönne ich ihn nicht, deswegen erinnere ich an dieser Stelle ausdrücklich an den Vaffanculoday (Text Englisch) am 8. September, zu dem der in Italien weit bekannte Komiker und Blogger Beppe Grillo aufgerufen hat.

 



 

Kommentare

In meinen Notizen hatte ich noch verzeichnet, dass der starke Beerengeruch an den Geruch eines angelutschten Nimm-2-Bon-Bons erinnert. Und dass sich der Wein sehr gut zum Philosophieren eignet. :-)

nimm2 mit beerengeschmack? wo bekommen sie die denn her?
planetaweine sind super, aber nicht ganz mein preissegment.

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