Sonntag, 18.11.2007
Weinrallye 5: Südafrika holt auf
Die 5. Weinrallye ist beendet. Vielen Dank erst einmal an alle Teilnehmer und auch an alle Leser für ihr Interesse. "Sangiovese -- nicht aus der Toskana" wurde als schwierig empfunden. "Als Wolf vom Blog hausmannskost das Thema dieser WeinRalley ausschrieb, fragte ich mich: Wer soll da eigentlich mitmachen?", erzählt Thomas Günther von Weinverkostungen.de. Umso mehr freut es mich, dass er und zehn weitere Blogs sich beteiligt haben. Moralische Unterstützung bekam ich von Thomas Lippert vom Winzerblog, dem Initiator der Weinrallye: "Zugegeben, das Thema ist nicht ganz einfach gewählt. Aber bei der 5. Ausgabe der Weinrallye kann es ja durchaus auch einmal etwas anspruchsvoller zugehen was die Themenauswahl angeht." Nachdem ich alle Beiträge gelesen habe, meine ich, das sei gelungen.
Ein Sangiovese aus Italien lässt sich doch recht leicht auftreiben, wenn man in Deutschland lebt. Schwieriger scheint es in Frankreich zu sein. Iris Rutz-Rudel vom Weingut Lisson beklagt sich, dass sie keinen Italiener und nicht einmal eine korsischer Niellucio finden konnte. Dafür bloggt sie uns ein schönes korsisches Sprichwort für die kalte Jahreszeit: "E donne e u venu scaldanu l'omu/Frauen und Wein erwärmen den Mann." :-)

Ergebnisse
11 Blogs haben Teil genommen und 16 Sangiovese vorgestellt, davon nur sechs aus der Toskana (von diesen fünf in Vergleichen mit Nichttoskanern). Der älteste stammt von 1998, die jüngsten von 2006 Ein Wein wurde dreifach beschrieben (Südafrika) und einer doppelt (USA). Nach Ländern:
Argentinien 1
Australien 1
Deutschland 1
Italien 11
Südafrika 1
USA 1
Die fünf nichttoskanischen Italiener kommen aus Ligurien, Molise, Romagna, Sizilien, und Umbrien. Verschnitte gab es mit Spätburgunder, Dornfelder, Cabernet Sauvignon, Merlot und Shiraz.
Aus der neuen Welt
Gleich dreimal fand der Rake Sangiovese aus Südafrika den Geschmack der Blogger und das Urteil ist durchwegs positiv: "Der von mir verkostete Sangiovese aus Südafrika lässt erahnen, dass diese Sorte auch auf der südlichen Halbkugel eine Heimat finden könnte und sicherlich das Potential bietet große Weine hervorzubringen", bewertet ihn Thomas Lippert vom Winzerblog, der ebenso wie ich den 2005 auf dem Tisch hatte. Mario Scheuermann vom Drink Tank hat einen 2006 von seiner Südafrikareise mitgebracht, gibt aber keine schlechtere Einschätzung ab: "Am Gaumen ein trotz des hohen Alkohols von 14 % Vol. harmonischer, ausgewogener Wein mit saftiger Frucht, guter Tanninstruktur und schöner Säure." Und er berichtet über Geschichte und Anbau der Traubensorte in Südafrika.
Il Fiasco 2004 aus Kalifornien wurde zweimal besprochen, einmal von Swetlana Kittke vom Blog Myexperience4u und einmal von mir. Hier ging das Urteil etwas auseinander. Vielleicht war es mein Fehler, kein Spiegelei dazu zu schlürfen. Sie bespricht im Anschluss einen Finca de La Montana 2006 aus Argentinien. "Beide Weine sind auf ihre Art und Weise charmant und werden schon aufgrund ihrer für den Sangiovese besonderen Anbauorte besonders in Erinnerung bleiben."
Non solo Toscana
In der alten Welt denkt man bei Sangiovese erstmal an Italien. Dass es ihn auch in Deutschland gibt, war für mich eine große Überraschung. Christoph Raffelt von Originalverkorkt hat einen Villa Bürklin 2005 aufgetrieben, in dem sich Spätburgunder, Dornfelder und Sangiovese mischen. "Der Wein hier ist modern ohne beliebig zu sein, hat eine schöne Portion Schwere und Kraft ohne wuchtig zu sein. Er verbindet die Klasse des deutschen Spätburgunders mit den oben beschriebenen Vorzügen der Sangiovese-Traube, ist fruchtig, kirschig ohne Kitsch." Außerdem berichtet er, dass das Weingut Bürklin-Wolf auch Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc, Tempranillo, Grenache, Shiraz und Nebbiolo anbaut -- alle in der Pfalz.
Aber nun endlich nach Italien. Pech hatte Thomas Günther von Weinverkostungen mit seiner Flasche Di Majo Norante 2005 aus dem Molise ("relativ dünn und es fehlt an Charakter") und er konnte die Meinung von Robert Parker dazu nicht teilen.
Nicht von der Toskana trennen wollte sich Robert Freudenthaler von Vinissimus. "Sangiovese -- das sind und bleiben für mich die einzigartigen Weine der Toskana!" Ein gelungenes Exemplar, den Mauro Vanucci Piaggia Riserva 1999, stellt uns vor.
Zwei Flaschen hat Matthias Metze für Viva Vino entkorkt: einen Di Filippo Properzio 2003 aus Umbrien und einen Chianti Classico von Casaloste 1998, den ältesten Wein der Rallye. "Beide Weine haben mir gut gefallen -- der Properzio sogar außerordentlich gut; besonders das Preis-Leistungsverhältnis (kostet um die 10 EUR). Beide werde ich -- wenn möglich -- bald ins Sortiment aufnehmen. Für was so eine Weinrallye alles gut sein kann..." :-)
Die Duelle
Eine Reihe von Blogs haben versucht das Thema zuzuspitzen. In den Komplementärfarben Blau und Gelb hat das Lars Breidenbach von Schreiberswein sehr schön in Szene gesetzt. Die beiden Flaschen prallen mit Wucht aufeinander oder kreuzen die Hälse wie Säbel: ein Toscana IGT Barone Ricasoli Campo Ceni und ein Calatrasi D´istinto aus Sizilien. Beide sind von 2005 und haben einen Anteil Merlot eingemischt. "Der Sieger des Duells ist für meinen Gusto aber klar der Sizilianer, ein schöner Wein, der sein Geld auf jeden Fall wert ist. Sicher kein rebsortentypischer Sangiovese, aber eine Empfehlung für alle Fans von Rotweinen mit Aromen von eingetrockneten Beeren."
Im nächsten Duell kam der Sieger dann aus der Toskana: Matthias Metze hat in seinem zweiten Blog (San Lorenzo) einen kleinen JLF-Test mit drei Flaschen gemacht (hat er den alleine gestemmt?): Cantine Lunae Colli di Luni 2006 aus Liguren, einen Morellino di Scansano 2005 von Mantellassi und einen Chianti Riserva 2004 von di Luiano. "Wenn man nach dem JLF-Faktor geht (Je leerer die Flasche), war es an diesem Abend der Chianti; beim Nachverkosten am nächsten Abend glänzten aber auch die anderen beiden mit einigen Reizen..."
Einen etwas größer angelegten JLF-Test haben wir zu fünft geleert. Neben den bereits erwähnten: ein Coriole Contour 4 2004 (Sangiovese 65 Prozent, der Rest Shiraz) aus Australien, ein Torre di Ceparano 2004 von Zerbina aus der Romagna und Rosso di Montalcino von Caparzo 2004 aus der Toskana. Um den Sieg mussten wir etwas streiten, sowohl der Rosso als auch der Raka aus Südafrika kommen in Frage. Ein bisschen Kritik hatte ich insgesamt am JLF-Verfahren.
Fazit
Ich hoffe, die Rallye hat allen Teilnehmern und Leser eine komplexere Sichtweise auf die Traube des Chianti gegeben. Mir hat es jedenfalls viel Spaß gemacht. Darf sich Sangiovese nun aus den kargen Hügeln rund um Siena in die große weite Welt trauene? Robert Freudenthaler sieht das eher kritisch und fragt sich, "ob denn nicht schon genug globalisierte Weine aus globalisierten Rebsorten existieren? Ist es denn nicht für uns Weinliebhaber von unschätzbarem Wert, wenn wir einige Rebsorten mit nur einem einzigen definierten Ursprungsgebiet in Verbindung bringen?"
Ein bisschen hat er sich selbst widerlegt, in dem er einen Wein vorstellt, der zum Teil aus der französischen Rebsorte Cabernet Sauvignon gekeltert wurde. Und auch diese Rallye hat, finde ich, das Gegenteil bewiesen: Die Untersuchungen des Raka aus Südafrika, des Calatrasi D´istinto aus Sizilien oder des Villa Bürklin aus der Pfalz zeigen, dass guter Sangiovese nicht zwischen Florenz und Grosseto angebaut werden muss, um einen schönen Wein zu ergeben.
Mit Spannung sehe ich den nächsten Weinrallyes entgegen. In einem Kommentar hat Lars Breidenbach schon verraten: "Es wird diesmal leichter werden mit der Beschaffung der Weine ;-)"
Der offizielle Aufruf erfolgt in wenigen Minuten in diesem Blog im folgenden Beitrag.
Kommentare
Verkostungsnotizen Toscana 1997 vom 17.11.2007:
1. Fontalloro, Felsina, 1997, typisch Sangiovese, gut gereift samtig, sanfte Tannine (92 Punkte)
2. Modus, Ruffino, 1997, Cuvée mit CabS und Merlot, duftet nach Kirsche, Tannine noch etwas rau, braucht noch Zeit (90+ Punkte)
3. Capraia, Rocca di Castagnoli, 1997. Toller Chianti Classico Riserva, auf dem Punkt, frische gut eingebundene Säure, für daher mich der angenehmste Wein des Abends zum Essen (90 Punkte)
4. Summus, Banfi, 1997, samtige Tannine, aber schon deutliche Alterstöne, bald trinken (88 Punkte)
5. Rancia, Felsina, 1997, ebenfalls nicht mehr ganz frisch (88 Punkte)
6. Nobile, Boscarelli, 1997, nach dem JLF-Test der schlechteste Wein des Abends, spitze Säure herbe Tannine, ob der noch mal was wird (88 Punkte). Nachtrag: Am nächsten Abend den Rest zum Essen getrunken, deutlich besser, hat doch Potenzial
Kost für Hausmänner