Freitag, 16.11.2007
Weinrallye 5: JLF-Test Sangiovese

Beitrag zur 5. Weinrallye mit dem Thema Sangiovese aus aller Welt:
Um dem Metavergleich von Sangiovese aus aller Welt über alle Blogs hinweg auch noch einen Makrovergleich in einem einzigen Blog an die Seite zu stellen, haben wir einen umfangreicheren JLF-Test gemacht (Beschreibung hier) und folgende Weine ins Rennen geschickt:

Raka Sangiovese 2005 aus Südafrika
Coriole Contour 4 Sangiovese (65%) Shiraz 2004 aus Australien
Torre di Ceparano 2004 von Zerbina aus der Romagna in Italien
Il Fiasco 2004 von Ca'del Solo aus Kalifornien
Und es hatte sich doch ein
Rosso di Montalcino von Caparzo 2004 aus der Toskana (2. v.l.)
eingeschlichen, um die Vorgabe ein Falsche pro Person voll zu kriegen.
Zu den Ergebnissen:
Zuerst leer war dann doch der Rosso di Montalcino. Das lag sicher auch daran, dass die Herren der Runde einen größeren Zug hatten, denn die Damen entschieden sich einhellig für den Raka aus Südafrika. Beide haben zurecht gewonnen. Auf Platz drei folgte der Torre aus der Romagna, dann der Coriole aus Australien und als Schlusslicht das kalifornische Fiasco mit 9,5 Zentimeter Rest in der Flasche.
Zusammenfassend lässt sich sagen, alle Weine waren aus dem Jahr 2004 (bis auf den Raka 2005), alle waren etwa gleich teuer (um die zwölf Euro) und alle waren sehr stark (13,5 Prozent bis 14,5 Prozent), für unseren Geschmack oft zu stark. Am auffälligsten war das beim Romagnole, der ein sehr staturierter, körperreicher Wein ist, aber letztendlich mit 14,5 Prozent zu alkoholisch. Wesentlich besser eingebunden wirkte der Alkohol beim Kalifornier mit ebenfalls 14,5 Prozent.
Die beiden Italiener hatten einen ähnlichen Charakter und waren insgesamt nicht so zugänglich. Sie zeigten mehr Säure, aber für meinen Geschmack auch mehr Statur und Länge. Anders der Südafrikaner und der Kalifornier. Deren Kellermeister hatten die Weine deutlich auf den sofortigen Trinkgenuss getrimmt: fröhliche Frucht und leichte Süße. Das Schlusslicht bildete das Fiasko -- nicht weil es schlechter war -- sondern eher etwas langweiliger: zu rund, zu künstlich und zu kuschelig. Mir ein Rätsel, wie man das mit einem Sangiovese hin bekommt. Und die Alte-Neue-Welt-Vorurteile treffen an dieser Stelle zu. Am meisten Probleme bereitet uns der Australier. Er hatte etwas Muffiges und roch wie die verstaubte Schublade eines Antiquitätenkästchens.
Von den Aromen dominierten die dunklen Beeren, Johannisbeere, Holunder, Brombeere, Heidelbeere (Torre), aber auch Himbeere (Fiasko) und Erdbeere (Rosso). Hinzu kam Würziges, Wacholder, Zimt, Pfeffer und Leder. Holz trat in vielen Variationen auf: Beim Raka dominierte die Vanille, die sich zu meiner Verwunderung später aber verflüchtigte. Dann Eiche (Coriole), Zeder (Torre) und die Schublade (Coriole). Deutlich mineralisch zeigte sich der Rosso.
Noch ein Wort zum JLF-Test: Nach unserer Sitzung meine ich, er ist nicht unbedingt ein Genusstest. Wir probierten die schwierigen Wein öfters, allein um herauszufinden, was nicht stimmt oder wo man sich getäuscht hat. Wenn ich mir aber nun eine Flasche kaufen würde, wäre es eher der Fiasco als der Coriole.
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